Ich wollte das Schweizer KI-Modell. Unsere eigene Messung hat es durchfallen lassen.

Wer «Apertus vs Claude» sucht, findet Meinungen und Modellkarten. Hier sind Zahlen aus einem echten Betrieb: Wir haben beide produktiv gemessen — und am Ende keines von beiden genommen.

Die Ausgangslage: Unsere KI lief auf Claude, gerechnet in Frankfurt. Der Entscheid stand, dass alles, was Kundendaten anfasst, auf Schweizer Server umzieht. Und der Plan für das Modell war Apertus — das offene Modell von ETH und EPFL. Schweizer Modell auf Schweizer Servern... die runde Geschichte. Ich hatte sie schon aufgeschrieben.

Dann wurde gemessen statt genickt. Sechs Rollen, vom Kundengespräch bis zur Extraktion strukturierter Daten. Echte Fälle aus dem Betrieb, ein blinder Juror, der nicht weiss, welches Modell er bewertet. Und Schweizerdeutsch als Eingabe — niemand schreibt einer Assistentin in Schriftsprache.

Apertus vs Claude: die Zahlen

Im Gespräch (blinder Juror, Skala 0–1): Claude Sonnet 0.50, Apertus 0.35. Bei der Strukturarbeit (echte Fälle in sauberes JSON): Claude um 94 von 100 Punkten, Apertus je nach Lauf 78 bis 82 — einmal war die Antwort gar kein gültiges JSON.

Fair wurde die Messung erst im zweiten Anlauf: Unser erstes Messgerät verlangte ein Antwortformat, das der Anbieter serverseitig abgeschaltet hatte — das drückte Apertus künstlich nach unten. Wir haben das Messgerät korrigiert und alles neu gemessen. Apertus wurde deutlich besser. Es verlor trotzdem.

Apertus vs Mistral und Gemma: der eigentliche Befund

Gewonnen hat nämlich keiner der grossen Namen. Das Gespräch ging an Gemma — 0.65, in unserem Zuschnitt vor Claude, und es übersteht die Dialekt-Eingabe, ohne zu kippen. Die Strukturarbeit ging an Mistral: acht von acht Fällen fehlerfrei, rund fünfmal schneller als unser bisheriger Aufbau. Ein weiterer Kandidat, auf dem Papier stark, scheiterte schlicht daran, dass die Eingabe Schweizerdeutsch war.

Beide Gewinner sind offene Modelle, international trainiert — und sie rechnen jetzt bei einem Schweizer Anbieter. Ein offenes Modell ist eine Datei: Sie rechnet dort, wo man sie hinlegt, und telefoniert nicht nach Hause. Seit dem Umzug verlässt kein Byte Kundendaten das Land. Auch nicht für die KI.

Warum Apertus trotzdem auf dem Fahrplan bleibt

Apertus ist das einzige Modell, das natürlich Schweizerdeutsch spricht — nicht als Kunststück, sondern weil es damit trainiert wurde. Das kann heute kein anderes. Es wird nachgemessen, sobald eine neue Version da ist. Diese Notiz ist eine Momentaufnahme von Apertus 70B im August 2026, für unsere sechs Rollen — kein Urteil für die Ewigkeit.

Die runde Geschichte wäre gewesen: Schweizer Modell auf Schweizer Servern. Die wahre ist unbequemer und besser: gemessen statt geglaubt. Souveränität heisst nicht, dass das Modell einen Schweizer Pass hat. Sie heisst, dass die Daten das Land nie verlassen — egal, wer rechnet.

( KI generiert –D. )