Bei einer Urkunde ist die Herkunft nicht Beiwerk. Sie ist die Urkunde.

Ein Handelsregisterauszug ohne Nachweis, woher er kommt, ist kein Auszug. Er ist ein PDF.

Auf Papier war das nie ein Problem. Ein Dokument trug Merkmale, die man nicht nebenbei nachmacht: Stempel, Unterschrift, Prägung, ein bestimmtes Papier. Wer es fälschen wollte, musste Aufwand betreiben — und der Aufwand war die Sicherheit.

Digital fällt dieser Schutz weg. Eine Kopie ist vom Original nicht zu unterscheiden, weil es kein Original mehr gibt. Was bleibt, ist die Frage: Kommt das wirklich von der Stelle, deren Name draufsteht?

Bisher hat man das mit Vertrauen überbrückt. Das PDF kam per Mail von einer Adresse, die man kannte, also stimmte es schon. Diese Brücke trägt gerade weniger weit. Ein überzeugend aussehendes Dokument zu erzeugen, kostet heute nichts mehr — nicht Stunden, nicht Können, nicht Aufwand.

Deshalb halte ich den Herkunftsnachweis bei Urkunden für die wichtigere Baustelle als bei allem anderen. Bei einem Blogtext ist die Frage nach der Herkunft interessant. Bei einem Dokument, auf das sich jemand verlässt — ein Nachweis, eine Bestätigung, eine Vollmacht — ist sie der ganze Wert.

Eine Unterschrift beantwortet dabei nur die halbe Frage. Sie sagt, wer zugestimmt hat. Sie sagt nicht, woher das Dokument stammt und ob es seit seiner Erstellung unverändert ist. Solange Menschen Dokumente von Hand erstellt haben, fiel das zusammen. Jetzt nicht mehr.

Wir bauen an Software, die solche Dokumente erzeugt. Für uns ist das deshalb keine Zukunftsfrage — es ist die Frage, die wir beantworten müssen, bevor das erste Dokument irgendwo eingereicht wird.