Das Wasserzeichen zeigt in die falsche Richtung

Seit dem 2. August markiert Anthropic jeden Text, den Claude schreibt, mit einem unsichtbaren Wasserzeichen. Es überlebt Kopieren und Einfügen, und es ist die Umsetzung einer Selbstverpflichtung zur Transparenz.

Ich finde das richtig. Aber es beantwortet eine Frage, die bald nicht mehr die wichtigste ist.

Die Kennzeichnung sagt: Hier war eine Maschine. In ein, zwei Jahren wird das kaum jemanden überraschen — dann ist die Maschine überall, und die Markierung wird zur Fussnote.

Die Frage, die bleibt, ist eine andere: Stammt dieses Dokument wirklich von dem, dessen Name draufsteht — und ist es seither unverändert?

Dafür gibt es die Technik bereits. Bei Dateien liefert Anthropic signierte Herkunftsangaben nach einem offenen Standard mit; dieselbe Idee lässt sich auf alles anwenden, was jemand verschickt. Nicht eine Maschine hat das geschrieben, sondern das kommt von uns, und niemand hat unterwegs etwas geändert.

Für eine Offerte ist das interessanter als jede Kennzeichnung. Für einen Vertragsentwurf, ein Gutachten, eine Rechnung erst recht.

Wir stehen selbst davor: Ab Dezember müssen generierte Dokumente eine maschinenlesbare Markierung tragen — ein sichtbarer Hinweis reicht dafür nicht. Also beschäftigt mich die Frage nicht theoretisch. Und je länger ich daran baue, desto klarer wird: Der Aufwand lohnt sich nicht für die Kennzeichnung. Er lohnt sich für den Nachweis.

Das eine ist eine Pflicht. Das andere wäre ein Angebot.